Walter Storms
Rupprecht Geiger (1908-2009) war nach dem 2. Weltkrieg Gründungsmitglied und theoretischer Kopf der Künstlergruppe ZEN 49. Der Doyen der konkreten Malerei schuf sein Lebenswerk rund um das Thema 'Farbe‘. Durch konsequente formale Reduktion und Klarheit sollte die geistige Kraft der Farbe selbst, die für ihn einen autonomen Wert darstellte, hervortreten. Bereits 1948 experimentierte Geiger mit nicht-rechteckigen Leinwänden, die später unter den amerikanischen Expressionisten wie Frank Stella oder Ellsworth Kelly als „shaped canvases“ bekannt wurden. Seit den 1950er Jahren beschäftigte er sich besonders mit der Farbe Rot, über die er sagte: „Rot ist Leben, Energie, Potenz, Macht, Liebe, Wärme, Kraft. Mit ihrer Fähigkeit zu stimulieren ist sie in machtvoller Funktion“. Charakteristisch für seine Öl- und Acrylbilder, Papierarbeiten und Siebdrucke sind einfache geometrische Formen und leuchtende, sensibel modulierte Farben.

1965 wurde Rupprecht Geiger an die Düsseldorfer Akademie berufen; die Professur nahm er bis 1976 wahr. 1982 übernahm unsere Galerie die Vertretung Geigers. Seither haben wir  zahlreiche Ausstellungen mit ihm veranstaltet und eine Vielzahl seiner graphischen Blätter verlegt. Seine wichtigsten Ausstellungen fanden in der Kestner Gesellschaft, Hannover (1967), der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München (1978, 1998 und 2007), im Russischen Museum, St. Petersburg (1994) und in der Neuen Nationalgalerie, Berlin (2008) statt. Der viermalige documenta Teilnehmer erhielt 1992 den bedeutenden Rubens-Preis der Stadt Siegen. 2002 vertrat Rupprecht Geiger Deutschland bei der Biennale von Sao Paulo. Im Dezember 2009 verstarb der Künstler in München.